Swiss Sailing Team – Newsletter
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
das Jahr 2012 wird für das Swiss Sailing Team sehr speziell, denn alle Blicke werden auf die Olympischen Spiele in Weymouth gerichtet sein.
Im vorliegenden Newsletter finden Sie die neueste Informationen über die Athleten des Nationalteams und des B-Kaders, eine Analyse von SST Teamchef Tom Reulein zu den ISAF Weltmeisterschaften in Perth, sowie ein Exklusivinterview mit Vincent Hagin, dem neuen Zentralpräsidenten von Swiss Sailing.
Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.
Inhalt:
Tag J-189
London © 2007 ODA
Es bleiben noch 189 Tage bis zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele. Die Athleten des Swiss Sailing Teams sind voll konzentriert auf ihre Vorbereitungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele.
Ein Grossteil des Teams sind bereits wieder auf der Wasser. Das Star-Team Flavio und Enrico, Laser Radial Seglerinnen Nathalie und Manon, sowie Guillaume Girod sind diese Woche nach Miami aufgebrochen, um dort noch letzte Trainingseinheiten vor dem ersten Weltcup des Olympiajahres zu bestreiten. Windsurfer Richard Stauffacher trainiert mit einer internationalen Trainingsgruppe in Perth und Neuseeland, während die 470er Segler seit Beginn der Woche in Europa trainieren.
Und auch die Coaches können keine Verschnaufpause einlegen: Sie sind vergangene Woche zusammengekommen, um eine Standortbestimmung zu machen und die Prioritäten im Hinblick auf die kommenden sechs Monate festzulegen.
Perth: Ein reeller Erfolg!
Tom Reulein © jurgkaufmann.com
Die Weltmeisterschaften des Internationalen Segelverbands (ISAF) in Perth haben den weltbesten Regattaseglern und den Mitgliedern von Swiss Sailing Team die Möglichkeit gegeben, sechs Monate vor Beginn der Olympischen Spiele ihre Wettkampfform unter Beweis zu stellen.
Zeit für eine Standortbestimmung und Analyse zur Leistung der Schweizer mit Tom Reulein, dem Verantwortlichen der Delegation.
Tom Reulein, welche Bilanz ziehen Sie aus den Resultaten anlässlich der ISAF Weltmeisterschaft in Perth?
Tom Reulein: „Wir sind zufrieden, dass Nathalie Brugger und Flavio Marazzi / Enrico de Maria die Länderqualifikation und die Selektionshürde von Swiss Olympic erfüllt haben. Dank dieser frühen Qualifikation können diese Segler und ihre Coaches sich nun voll auf die Olympischen Spiele konzentrieren. Insgesamt haben wir in 3 weiteren Bootsklassen die Länderqualifikation auf Anhieb erreicht. Selbstverständlich hätten wir uns über eine Top-Platzierung anlässlich der Weltmeisterschaft gefreut, doch nun müssen wir in die Zukunft blicken, der Weltcup in Miami steht bereits vor der Tür.
Was waren für Sie die positiven Überraschungen?
Tom Reulein: „Was mich sehr positiv gestimmt hat, ist die Tatsache, dass die jungen Segler ganz klar ihr Zukunftspotential bewiesen haben. Mit nur gerade einmal 20 Jahren hat Guillaume Girod die Nation für die Olympischen Spiele qualifiziert, indem er in Christoph Bottoni und Christian Steiger zwei erfahrene Segler geschlagen hat. Des Weiteren haben Yannick Brauchli und Romuald Hausser die Länderqualifikationskriterien erfüllt, indem sie trotz ungewohnter und schwieriger Bedingungen eine solide Regattaserie zeigten.“
In welchen Bereichen müssen sich die Schweizer Athleten noch entwickeln?
Tom Reulein: „Das ist von Bootsklasse zu Bootsklasse verschieden. Es liegt in allen Leistungsfaktoren noch gewisses Potential, ob das im Bereich der Materialentwicklung, der Technik, der Taktik im konditionellen oder mentalen Bereich. Die Athleten und ihre Coaches haben ihre Analysen gemacht und die jeweiligen Schlussfolgerungen gezogen und werden diese in die Trainingsplanung integrieren.“
Sind die Schweizer Athleten auf Augenhöhe mit den führenden Segelnationen im Hinblick auf die Rahmenbedingungen in der Vorbereitung?
Tom Reulein: „Betrachtet man verschiedene Faktoren wie Budget, Strukturen, Anzahl der Coaches oder die Anzahl von Talenten, so ist es augenscheinlich, dass es Unterschiede gegenüber den führenden Segelnationen existieren. . Wir geben unseren Athleten die bestmögliche Unterstützung gemessen an den Strukturen, die hierfür in der Schweiz vorhanden sind.“
Hat das gemeinsame Wohnen im WM Quartier zu mehr Teambuilding geführt?
Tom Reulein: „Es war sehr gut für das Team, gemeinsam zu wohnen . Sowohl die Athleten als auch die Coaches haben davon profitiert und das Team ist zusammengewachsen. Genau das braucht es im Hinblick auf die Olympischen Spiele.“
Bleibt das ursprüngliche Ziel, eine Medaille bei den Olympischen Spielen in London zu gewinnen, aktuell?
Tom Reulein: „Auch wenn die letzten Resultate aus Perth nicht ganz so gut ausgefallen sind wie erhofft, so bleibe ich nach wie vor überzeugt, dass es möglich ist, eine Medaille zu gewinnen. Wir müssen fokussiert bleiben, unsere Arbeit konzentriert fortführen und vorallem daran glauben, dass dieses Ziel realisierbar ist.“
Vincent Hagin : „Der Wunsch Erfolg zu haben und die mentale Stärke charakterisieren die Mitglieder unserer Nationalmannschaft“
© John Payne Photography
Der Waadtländer Vincent Hagin bekleidet seit Beginn des Jahres den Posten des Zentralpräsidenten von Swiss Sailing. Er war bei den Weltmeisterschaften in Perth (AUS) vor Ort – nicht im VIP-Zelt mit den anderen offiziellen Nationenvertretern, sondern auf dem Wasser, als Teilnehmer in der Starboot-Klasse. Unnötig zu erwähnen, dass er weiss, wovon er spricht, wenn es um den Leistungssport geht. Wir haben ihn gebeten, uns zu präzisieren, welches seine Prioritäten als Präsident von Swiss Sailing sind.
Vincent Hagin: „Ich habe meine neuen Funktionen zu Beginn des Jahres übernommen, nach meiner Rückkehr aus Australien. Der Spitzensport hat 2012 Vorrang, zum einen weil wir uns in einem olympischen Jahr befinden, zum anderen weil wir in diesem Jahr Swiss Olympic unser Konzept 2013 – 2016 abliefern müssen. Ausserdem haben wir die Absicht, unsere Strukturen in der Ausbildung zu verstärken, mit dem Ziel den Weg zum Spitzensport zu ermöglichen. Das bedeutet, dass wir in unsere aktuelle Struktur eine moderne und stufenübergreifende Ausbildungsmethodik integrieren müssen.
Es gilt, das Junioren-, aber auch das Spitzensportkonzept zu überdenken und uns an die neuen Anforderungen von Magglingen und Swiss Olympic anzupassen.
In meiner Vision sollen mittelfristig die notwendigen Infrastrukturen für ein nationales Leistungszentrum «Segeln» bereitstehen und starke regionale Zentren existieren. Wenn wir in der Zukunft Medaillen gewinnen wollen, müssen wir ein Umfeld anbieten, das es erlaubt, dass bereits 15jährige bis zu 280 Tage im Jahr segeln und gleichzeitig eine schulische Ausbildung geniessen können. Das ist eine gewaltige Herausforderung! Aber haben wir nicht zweimal den America’s Cup gewonnen?
Dann ist da noch die Finanzierung der SST ab 2013. Wir haben in der vergangenen Woche eine Task Force unter der Leitung des Vizepräsidenten eingesetzt, die das Fundraising strukturieren und organisieren soll. Wenn es also Leute gibt, die an uns glauben, sie sind herzlich willkommen.
Schliesslich gilt es, gleichzeitig noch das Ressort Jugend von Swiss Sailing zu führen, den Segelsport weiter zu fördern und neue, junge Segler für den Sport zu begeistern. Das Projekt «New Kids on the Water», unterstützt durch die Stiftung Bertarelli und die UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung, wird Mitte Mai lanciert. Dieses Projekt führen wir mit unseren Clubs durch.“
Wie wichtig ist der Leistungssport für den Verband?
Vincent Hagin: „Spitzensportler zu haben, ist entscheidend für einen Verband. Sie spielen die Rolle der Vorbilder, sie sind Botschafter für die Jugend und die Gesamtheit der Wettkämpfer. Für mich repräsentieren sie auch den Sinn der Ausbildung bei Swiss Sailing, vom Club bis zur Nationalmannschaft – das was wir das Swiss Sailing System nennen. Es ist für mich wichtig, als Verband eine Nationalmannschaft und Sportler auf Leistungssportniveau zu haben. Man sieht es im Moment mit Dario Cologna, der Langlauf ist überall präsent.“
Sie haben an den ISAF Weltmeisterschaften in Perth teilgenommen. Welches ist ihr Hintergrund als Regatteur?
Vincent Hagin: „Ich habe auf einer Yacht begonnen zu segeln, im Kreis der Familie. Sehr spät, mit 16 Jahren, habe ich mit dem Jollensegeln begonnen, auf einem Laser und einer 470. Als Vorschoter habe ich auf diesem Boot dann erste Erfahrungen mit dem Regattieren gesammelt und später dann auf andere Jollen gewechselt. Mitte der 90er Jahre bin ich vor allem mit Charles Favre gesegelt, aber den Grossteil meiner «Karriere» habe ich auf dem Laser erlebt; 2003 habe ich mit dem Wettkampfsport aufgehört; 2010 aber auf dem Starboot wieder angefangen, denn ich finde die Starboot-Klasse unvergleichlich. Meiner Ansicht nach ist es ein wunderschönes Boot.“
Vincent Hagin © Skippers TV
Sie haben an den Weltmeisterschaften sicher die Gelegenheit genutzt, die Schweizer Regatteure zu beobachten. Welches waren Ihre Eindrücke?
Vincent Hagin: „Da ich mich ja mit unseren zwei Starboot-Seglern, Flavio und Enrico, messe, war mein erster Eindruck, dass ich zuerst den Mount Everest erklimmen muss, bevor ich überhaupt fähig bin, ihnen zu folgen (lacht).
Aber ernsthaft. Ich war sehr beeindruckt vom Engagement der Athleten für ihre Projekte. Der Wunsch, Erfolg zu haben und die mentale Stärke – das charakterisiert unsere Segler der Nationalmannschaft.
Und gerade diese mentale Stärke haben sie bewiesen, indem sie nach einem verhaltenen Start das Ruder wieder in die Hand genommen haben, um ihre Selektion zu erreichen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Swiss Sailing bereits bei der ersten Möglichkeit die Nationenqualifikation geschafft hätte; das ist ein hervorragendes Zeichen für die Qualität der Arbeit des gesamten Teams der SST. Man muss auch dem Management der SST gratulieren: Diese Personen leisten wertvolle Arbeit abseits des Scheinwerferlichts – und das wird längerfristig auch den Unterschied machen.“
Welches sind Ihre Erwartungen für 2012?
Vincent Hagin: „Die sind gross! Wir werden uns nicht verstecken; wir wünschen uns eine Medaille, die Farbe wird die richtige sein. Mir ist natürlich bewusst: Die Ziele von Swiss Sailing sind hoch gesteckt und wir verlangen von unseren Athleten, in London 2012 Aussergewöhnliches zu realisieren. Aber ich vertraue darauf, dass es gelingt.
Ich bin mir bewusst, dass die Chancen gering sind. Die Konkurrenz ist sehr stark und alle Einflussfaktoren müssen beherrscht werden, nicht nur am Tag X, sondern eine ganze Woche lang.
Das Swiss Sailing Team hat zusammen mit seinen Partnern herausragende Mittel erarbeitet. Niemals zuvor haben wir ein solches Niveau bei der Analyse und der Unterstützung der Leistungsverbesserung erreicht und unseren Athleten ermöglicht, von einem professionellen Service zu profitieren. Schliesslich zeigt mir das Resultat von Perth etwas ganz Wichtiges: Es gibt noch einiges zu tun, ja, aber unsere Sportler sind auf dem richtigen Weg.“
Nathalie Brugger & Manon Luther starten mit frischem Wind und neuem Coach in die Olympiasaison
Olivier Terrol © jurgkaufmann.com
Nach der Erfüllung der Olympia Selektionshürde (Top12 Nation) an den ISAF Weltmeisterschaften durch Nathalie Brugger übernimmt nun ein neuer Coach die inhaltliche Wasserarbeit mit beiden Damen in der Laser Radialklasse. Sein Name: Olivier Terrol. Terrol war bereits im vergangenen Jahr als Mandatstrainer der Laser Standards für SST erfolgreich tätig und gilt als ausgesprochener Spezialist in dieser Bootsklasse. Teamchef Tom Reulein: „Olivier passt zu 100% zu diesem ehrgeizigen Projekt und auch zu SST. Ich bin überzeugt, dass er alles dafür tun wird, um Nathalie in den letzten Monaten vor den Spielen voll auf Medaillenkurs zu bringen.“ Nach der Weltcup Regatta in Miami werden sie erstmals Mitte Februar gemeinsam am SST Wetter Workshop Weymouth teilnehmen und im Anschluss ihre Zusammenarbeit auf dem Wasser beginnen. Nationalcoach Didier Charvet übernimmt derweil Aufgaben im Talent Pool und Youth Team, sowie das Training und Coaching ausgewählter Events der 470er Damenteams Hasler/Hasler und Testuz/Thilo.
|